Brüder Grimm – Rotkäppchen
(genderfrei)
(von stefanengel)
Es war einmal ein kleines, süßes Etwas, dens hatte jedens lieb, dens ens nur ansah, am allerliebsten aber sens Großalt, dens wusste gar nicht, was ens alles dens Kinde geben sollte. Einmal schenkte ens en ein Käppchen von rotem Sammet. Und weil ens das so wohl stand und ens nichts anderes mehr tragen wollte, hieß ens nur dens Rotkäppchen.
Eines Tages sprach ens Eltens zu ens: „Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, bring das dens Großalt hinaus; ens ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Weg ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas, und dens Großalt hat nichts.“
„Ich will schon alles gut machen“, sagte Rotkäppchen zu dens Erziehungsperson.
Dens Großalt aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ens dens Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was dens für ens böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ens.
„Guten Tag, Rotkäppchen“, sprach ens.
„Schönen Dank, Wolf.“
„Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?“
„Zu dens Großalt.“
„Was trägst du unter der Schürze?“
„Kuchen und Wein: Gestern haben wir gebacken, da soll sich dens krank und schwach Großalt etwas Gutes tun und sich damit stärken.“
„Rotkäppchen, wo wohnt dens Großalt?“
„Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, da steht ens Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen“, sagte Rotkäppchen.
Dens Wolf dachte bei sich: „Dens jung zart Ding, dens ist ein fetter Bissen, dens wird noch besser schmecken als dens Alt: Du musst es listig anfangen, damit du beide erschnappst.“
Da ging en ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach en: „Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen, warum guckst du dich nicht um?“
Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als en sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte ens: „Wenn ich dens Großalt einen frischen Strauß mitbringe, der wird ens auch Freude machen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme.“
So lief ens vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn ens eine gebrochen hatte, meinte ens, weiter hinaus stände eine schönere, und lief danach, und geriet immer tiefer in den Wald hinein.
Dens Wolf aber ging geradewegs nach dem Haus dens Großalt und klopfte an die Türe.
„Wer ist draußen?“
„Rotkäppchen, dens bringt Kuchen und Wein, mach auf.“
„Drück nur auf die Klinke“, rief dens Großalt, „ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.“
Dens Wolf drückte auf die Klinke, die Türe sprang auf, und en ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett von dens Großalt und verschluckte en. Dann zog en ens Kleider an, setzte ens Haube auf, legte sich in ens Bett und zog die Vorhänge vor.
Rotkäppchen aber fiel bald darauf dens Großalt wieder ein, und ens machte sich auf den Weg zu ens.
Ens wunderte sich, dass die Türe aufstand, und wie ens in die Stube trat, so kam es ens so seltsam darin vor, dass ens dachte: „Ei, du mens Gott, wie ängstlich wird mir’s heute zumut, und bin sonst so gerne bei dens Großalt!“
Ens rief: „Guten Morgen“, bekam aber keine Antwort. Darauf ging ens zum Bett und zog die Vorhänge zurück: Da lag dens Großalt und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus.
[Hier folgt nun der allen bekannte Dialog über Ohren, Augen und das Gefressenwerden, weshalb man ihn auch getrost weglassen kann…]
Kaum hatte dens Wolf das gesagt, so tat en einen Satz aus dem Bette und verschlang dens arme Rotkäppchen.
Wie dens Wolf sein Gelüste gestillt hatte, legte ens sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an, überlaut zu schnarchen.
Dens Jäg ging eben an dem Haus vorbei und dachte: „Wie dens alt Frau schnarcht! Du musst doch sehen, ob ens etwas fehlt.“
Da trat en in die Stube, und wie en vor das Bett kam, so sah en, dass dens Wolf darin lag.
„Finde ich dich hier, du alt Sünd!“, sagte en. „Ich habe dich lange gesucht.“
Nun wollte en sens Büchse anlegen, da fiel ens ein, dens Wolf könnte dens Großalt gefressen haben und ens wäre noch zu retten. So schoss en nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dens schlafend Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie en ein paar Schnitte getan hatte, da sah en das rote Käppchen leuchten, und noch ein paar Schnitte, da sprang dens Etwas heraus und rief: „Ach, wie war ich erschrocken, wie war’s so dunkel in dens Wolf sens Leib!“
Und dann kam dens alt Großalt auch noch lebendig heraus und konnte kaum atmen. Rotkäppchen aber holte geschwind große Steine, damit füllten sie dens Wolf den Leib, und wie en aufwachte, wollte en fortspringen, aber die Steine waren so schwer, dass en gleich niedersank und sich totfiel.
Da waren alle drei vergnügt. Dens Jäg zog dens Wolf den Pelz ab und ging damit heim, dens Großalt aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder, Rotkäppchen aber dachte: „Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s dens Elter verboten hat.“