Für die Helden von Azovstal

ein Lied von Stefan Engel

geschrieben am 7., 8. und 12. Mai 2022

 

I.

Sie werden mich kriegen

Doch sie werden nicht siegen

Denn Tyrannen, die siegen nie

 

Heut sind sie gegangen

Die mit uns gefangen

Waren im Werk Azovstal

Die Kinder und Frauen

In blindem Vertrauen

Verließen sie den Ort der Qual

 

Letzte Tränen geweint

Darin sind wir vereint

Entstiegen sie dem Sarg aus Stahl

War’n wortlos und müde

Gott, gib ihnen Friede

und ein Leben fern dieser Qual

 

Sie werden mich kriegen

doch sie werden nicht siegen

Denn Tyrannen, die siegen nie

 

II.

In einem anderen Leben

Vor Februar 20-2-2

Verließ ich am Morgen mein Haus

Die Kinder gingen zur Schule

Ludmila, die ging ins Büro

Am Freitag spazieren im Park

Vor Februar 20-2-2

 

In einem anderen Leben

Im Februar 20-2-2

Verließ ich am Morgen mein Haus

Denn lichterloh brannte die Schule

In Trümmern lag jedes Büro

Und Waffen gab man mir im Park

Im Februar 20-2-2

 

In einem anderen Leben

Nach Februar 20-2-2

Sitz ich im Sarg aus Stahl und Beton

Und bin wie ein Raubtier in Wut

Am Tag und bei Nacht besieg ich die Angst

Und sterb ich, so bin ich dann frei

Nach Februar 20-2-2

 

III.

Wir sind die Wächter des Tages

Wir sind die Jäger der Nacht

Und mag ihre Zahl auch unendlich sein

Wir schlagen die Feinde mit Macht

 

Vor kurzem noch waren wir Brüder

Meiner Schwester warst du der Mann

Doch du hast verkauft deine Seele

Mein Bruder, was hast du getan?

 

Wir teilten eine Geschichte

Uns’re Väter bekämpften das Leid

Doch du hast verkauft deine Seele

Der Irrsinn hat uns entzweit

 

Wir sind die Jäger des Tages

Wir sind die Wächter der Nacht

Und wirst du im Bösen kommen

So wirst du zur Strecke gebracht

 

IV.

Selbst wenn sie mich kriegen

Sie werden nicht siegen

Denn Tyrannen, die siegen nie

 

Ich bin auf der Wacht

Bei Tag und bei Nacht

Und sollt’ ich der letzte sein

Und wenn sie mich binden

Und wenn sie mich finden

So weiß ich, ich war nicht allein

 

Wir standen beisammen

In Schutt und in Flammen

Für die Heimat sterben wir hier

Mag der Tod uns auch rufen

Zu des Himmels Stufen

Leonidas, wir folgen dir!

 

V.

Doch wenn du den Sieg hast errungen,

Falscher Bruder, mit Stolz in der Brust

Ist der Schall gift’gen Lobs dann verklungen

Werd dir deiner Taten bewusst!

 

Das Klagen der Weiber

Geschundene Leiber

Ein Krater, wo mein Haus einst stand

Die Körper der Alten

Auf Straßen erkalten

Du hast uns’re Felder verbrannt

Alleen aus Eichen

Seh’n Straßen voll Leichen

Dem Knaben dort fehlt eine Hand

 

Oh Bruder, wie kann das nur sein?

Deine Träume schwimmen in Blut

Nicht wirst du’s ertragen

Bei Nacht und an Tagen

Dein Leben wird dir Hölle sein

 

Selbst wenn sie mich kriegen

Sie werden nicht siegen

Denn Tyrannen, die siegen nie

 

Selbst wenn sie mich kriegen

Sie werden nicht siegen

Denn Tyrannen, die siegen nie