Sprachvermögenstest

Sind Sie Lehrer oder Lehrerin und haben schon einmal an einer digitalen Lernstandserhebung Ihres Bundeslandes teilgenommen? Ja? Herzlichen Glückwunsch! Ich auch. Immer wieder…

Das gute an der digitalen Variante im Vergleich zur analogen ist, dass das Erarbeiten der Ergebnisse nun nicht mehr Ihre wertvolle Zeit raubt. Aber sonst?

Als Ergebnis erhält man als Lehrkraft eine Menge Tabellen und Grafiken. Und irgendjemand im Kultusministerium sammelt fleißig alle Daten und präsentiert irgendjemand anderem irgendwann bunte Statistiken. Und dann?

Haben Sie jemals Nachricht bekommen, dass Ihre Schulbehörde aufgrund der Ergebnisse Ihrer Schule entschieden hat, Ihnen weitere Planstellen für das Fach Deutsch zuzuweisen? Haben Sie bemerkt, dass die Stundentafeln Ihres Bundeslandes geändert wurden, damit mehr Deutsch unterrichtet werden kann? Nein? Ich auch nicht. Und mit den Tabellen und Grafiken konnte ich auch nicht wirklich etwas anfangen. Niemand von denen, die ich dazu befragte, konnte damit etwas Sinnvolles anfangen. Und lange Zeit war auch ich ratlos.

Die Tabellen und Schaubilder waren ja ganz nett anzusehen. Ich wusste auch, wie gut – oder wie schlecht – ein Kind den Test abgeschlossen hatte. Die quantifizierten Daten gaben mir aber keinen Aufschluss darüber, was das Kind konnte – oder eben, was nicht: Online-Test durchgeführt, Ziel erreicht, weitermachen wie bisher.

Einmal, aber auch nur einmal!, setzte ich mich an den PC und sah mir online die Ergebnisse der Schüler an. Nach stundenlangem Schauen auf den Monitor brach ich das dann ab. Ich hatte angefangen, mir eine Liste zu erstellen und die Fehler zu kategorisieren. Dabei bemerkte ich, dass genau dieses Untersuchen der Ergebnisse bei mir den Erkenntnisprozess in Gang setzte. Ich erkannte, dass diese digitale „Vereinfachung“, nämlich die automatisierte Auswertung, genau das fehlende Element war, um zu sehen, was dem jeweiligen Schüler „fehlte“: Durch den händisch und analog ausgeführten Auswertungsprozess lernte ich. Die reinen statistischen Ergebnisse waren nutzlos!

Ich entwickelte im Laufe der Zeit dann dieses Diagnose-Modul. (Auch hier habe ich nicht „bei null“ angefangen. Die Grundlage wurde aber meinerseits so stark abgewandelt, dass ich bezweifle, dass dies jemand erkennt. Sollte das dennoch der Fall sein, freue ich mich auf eine Nachricht und den Beginn eines wunderbaren Gedankenaustauschs zum Thema Sprachvermögenstest.) Es ist sehr umfangreich. Und die Auswertung macht viel Mühe. Aber der Erkenntniswert aufseiten der Lehrkraft ist gut. Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen bestätigten mir das. Besonders die notwendigen Beratungsgespräche mit den Erziehungsberechtigten gestalteten sich danach sehr fruchtbar: mehr Zufriedenheit bei allen Beteiligten. (Ich will jedoch nicht verschweigen, dass es auch Lehrkräfte gab, die mit diesem Diagnose-Modul nicht zufrieden waren. Als ich nach Ursachen für die Unzufriedenheit fragte, stellte sich heraus, dass der Arbeitsaufwand als zu hoch angesehen wurde. „Und dann darf ich die Ergebnisse noch nicht einmal als Leistungsnachweis werten? Ich mache mir die ganze Arbeit also umsonst!“ Man brach die Auswertung ab und ging zur langjährigen Routine über. Ich überlasse es Ihnen, diese Denk- und Arbeitsweise zu bewerten.)

Auf Wunsch sende ich Ihnen gern per E-Mail das umfangreiche Test-Paket als „gezippten“ Ordner zu.

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