Szene 2 – im Lager der Sterner Ritter

 

Simon von Haune

Markus von Tannenberg

 

Simon von Haune (läuft grübelnd auf und ab):

In welch einen Schlamassel bin ich da hineingeraten? (nimmt den Fehdebrief in die Hand, entrollt ihn, liest)

Markus von Tannenberg (tritt hinzu):

Mein Herr von Haune, Ihr habt mich gerufen?

Simon von Haune:

Ach ja, mein lieber Markus! Ich habe eine Aufgabe für dich. Dir wird sie leicht fallen. Mir liegt sie schwer auf dem Herzen.

Markus von Tannenberg:

Seit ich Euer Knappe bin, habe ich Euch noch nie so niedergeschlagen gesehen. Und wie kann ich Euer Rätselwort verstehen, dass mir die Aufgabe leicht wird, aber Euch schwer belastet?

Simon von Haune:

Schau hier! Diesen Brief sollst du überbringen. Die Bürgermeisterin Hersfelds ist die Empfängerin. Das ist deine Aufgabe. Mehr ist es nicht. Doch dieses Pergament hier ist keine einfache Nachricht. Es ist ein Fehdebrief, mit dem wir den Hersfeldern den Krieg erklären.

Markus von Tannenberg:

Mein Herr, das verstehe ich nicht. Zum Kriegszug hat Euch doch der Abt herbei gerufen…

Simon von Haune:

Das ist wahr. Doch bin ich nur deshalb hier, weil ich dem Fürstabt untertan bin. Gegen die Hersfelder hege ich keinen Groll. Im Gegenteil! Seit vielen Jahren sind wir uns wohl gesonnen. Wir treiben Handel und unterstützen uns. Und nun will der Abt, dass ich gegen sie kämpfe! Es ist schon fast so, als müsste ich gegen meine eigene Familie in den Kampf ziehen.

Markus von Tannenberg:

Jetzt verstehe ich Eure Schwermut. Das ist wirklich eine schlimme Lage, in der Ihr Euch befindet. Gibt es denn da gar keinen Ausweg?

Simon von Haune:

Nein, mein Lieber! Es gibt keinen Ausweg. Das einzige, was ich tun kann, liegt hier in meiner Hand. (zeigt auf den Fehdebrief, geht zu einem Tisch, greift nach dem Siegelzeug und verschließt die Nachricht während er weiter spricht) Mit diesem Fehdebrief erkläre ich den Hersfeldern den Krieg. So sind sie wenigstens gewarnt und können sich auf den Angriff vorbereiten. Der Abt und die anderen wollten sie einfach überfallen. Doch ich konnte ihn davon überzeugen, dass es ehrenhafter ist, wenn wir ihnen nach alter Väter Sitte die Kriegserklärung übermitteln.

Markus von Tannenberg:

Ach Herr, nun ist mir mein Auftrag nicht mehr so leicht. Wenn ich von solch ehrlosem Verhalten des Abts hören muss, dann sinkt er sehr in meinem Ansehen. Ist er nicht ein Mann Gottes und auf Gerechtigkeit bedacht?

Simon von Haune:

Ach Markus! Was ist Gerechtigkeit? Wenn ich das wüsste – heute in dieser schlimmen Welt! (fasst sich, greift seinen Knappen beherzt an der Schulter und übergibt ihm den Brief) Nun geh zu den Hersfeldern und bring ihnen die Warnung. Ich habe den Rubicon überschritten und kann nicht mehr zurück.

(Markus von Tannenberg nimmt den Brief, verneigt sich und geht zu einer Seite ab. Simon von Haune geht langsam zur anderen Seite ab.)

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