Während meines Studiums an der Germanistik-Fakultät der alt-ehrwürdigen Philipps-Universität in Marburg machte ich auch „Bekanntschaft“ mit diesem wichtigen Zeugen frühester deutschsprachiger Erzählung.
Zu meiner Begeisterung gesellte sich meine Erfahrung mit dem Linux-Programm LaTeX, mit dem ich meine wissenschaftlichen Arbeiten programmierte.
Irgendwann fühlte ich mich herausgefordert, das „Hildebrandslied“ Buchstabe für Buchstabe grafisch so getreu wie möglich in einen digitalen Druck zu übertragen. Wenn ich mich heute recht erinnere, studierte ich die Zeichen-Tabellen dutzender Fonts bis ich fündig wurde. Den diplomatischen Text programmierte ich dann Zeichen für Zeichen so exakt es mir möglich war. Das war Arbeit wie seinerzeit in Gutenbergs Werkstatt…
Das Folgende ist das Ergebnis dieser Herausforderung. Immerhin: Mehrere meiner Dozenten der Mediävistik waren sehr interessiert und erstanden Exemplare davon. Etwa 20 Stück konnte ich insgesamt herstellen und verkaufen. Ein früher publizistischer Erfolg, den ich erst 20 Jahre danach überbieten sollte!
Ich hatte zudem die Idee, eine multimediale Version davon herzustellen: Auf den hochauflösenden Fotos sollten in verschiedenen Meta-Ebenen Worterklärungen oder Kommentare einblendbar sein. Sogar die unleserlichen Stellen sollten wieder sichtbar werden können. An der Uni fand sich damals jedoch niemand, der mich bei dieser Sache unterstützen wollte oder konnte, was ich sehr bedauerte, jedoch nicht zu ändern war. Heute wäre dieses Projekt etwas, das niemanden mehr hinter dem Ofen hervorholen würde. Damals war ich meiner Zeit (leider) voraus – eine Erfahrung, die ich in den folgenden Jahren noch häufiger machen sollte…